Stellungnahme zur Operation Pusteblume: Öffentlicher Raum ist ein Wirtschaftsfaktor

Stellungnahme für die Pressekonferenz „Petition zur Förderung der kulturellen Infrastruktur in Mainz“ am 05.08.2010 im Pengland.

Öffentlicher Raum ist ein Wirtschaftsfaktor

In Mainz leben 40.000 Studenten, jeder 5. Mainzer ist Student und Mainz dadurch die jüngste Landeshauptstadt (43,6% statt 35,6% im Alter von 18-44 Jahren) in Deutschland. Doch dieses Entwicklungspotenzial wird bisher nicht genutzt. Viele Studenten verlassen kurz nach ihrem Abschluss die Stadt (meine Beobachtung: nur 7 aus meinem Semester sind noch hier).

Wenn man nach 19 Uhr durch die Mainzer Innenstadt läuft, hat man das Gefühl, die Stadt ist ausgestorben. Es werden Bauwerke hochgezogen, die nicht genutzt werden, da sie viel zu teuer sind. In Mainz gibt es viele etablierte Unternehmen, aber es fehlt der Raum für den Nachwuchs. Es fehlt Raum für Experimente. Nicht aus jeder Idee wird ein tragfähiges Geschäft, aber welche Ideen Potenzial haben, finden die meisten Studenten nach ihrem Abschluss in anderen Städten heraus. Denn in Mainz bleiben Räume lieber leer, als dass sie unrenoviert vermietet werden. Am Zollamt hat sich mittlerweile ein richtiges Kreativen-Netzwerk gebildet, weil dort die Mieten gesenkt wurden. Dort entstehen gerade neue Arbeitsplätze (u.a. neben Lebensqualität und Ideen und Kinder undundund).

Mainz ist eigentlich bestens auf die Zukunft vorbereitet. An den Hochschulen gibt es fast jede Studienrichtung, aber es gelingt den Fachbereichen nicht zusammen zu arbeiten.
Im Peng hingegen vermischen sich die Theoretiker mit Praktikern und jedes Projekt ist interdisziplinär. Es gibt wöchentlich fächerübergreifende Workshops, bei denen 15-50 Interessierte auch ohne CreditPoints zu bekommen teilnehmen und nach den Workshops gibt es meist noch lange Diskussionen über die Themen. Mittlerweile haben sich aus diesen Workshops schon ein paar, wie man es politisch sagen würde „interdisziplinäre Kompetenz-Cluster“ gebildet. Und das Wissen und die Netzwerke, die daraus entstehen haben unmittelbare wirtschaftliche Auswirkungen.
Ich mache 80% meiner Aufträge mit Leuten, die ich über den Freelancer-Stammtisch hier im Pengland kennengelernt habe.
Neben dem Geld, das Peng direkt durch Spenden umsetzt, gibt es eine viel größere Summe an echten Jobs. Diese Jobs entstehen, weil sich Menschen kennenlernen, die gemeinsam etwas können, das sie alleine nicht konnten.
Die Ideen entstehen erst mit der Zeit, ich habe zum Beispiel Jahre gebraucht um zu kapieren, dass Luhmann für Internetkommunikation total relevant ist. Aber damit sowas reifen kann, braucht man Freiraum um sich zu treffen, ohne dass ein finanzieller Druck dahinter steht.

Wo gibt es in der Stadt sonst noch ein öffentliches Forum?

Mainz könnte mit dem Potenzial zu einem der wichtigsten kulturellen und wissenschaftlichen Zentren in Europa werden. Die Uni ist voll von Kultur- und Sozialwissenschaftlern, es gibt fähige Designer und Informatiker und die sind alle auf einem so engen Raum mit anderen Fachgebieten, dagegen wirken Google (20.000MA) und Facebook (1.400MA) klein und unerfahren.

Und hier unsere Vorschläge:

  1. Orte der Wissenschaft
    Leer stehende Räume werden gegen Nebenkosten für Workshops und Studiengruppen zur Verfügung gestellt
  2. Mainz das Gründerzentrum: „Gründe für Mainz“
    Leer stehende Räume werden kostengünstig für Unternehmensgründer vermietet
    Die Gründer stellen ihre Idee dabei über die Medien vor
    Vermieter werden von der Stadt eingeladen daran teil zu nehmen
    Die Mieten werden schrittweise angehoben

Wir werden am Mittwoch den 18.08. eine Diskussionsrunde zum Thema Stadtentwicklung starten und laden sie dazu ein.

Update: Termin wird noch festgelegt

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