Geheime externe Mitarbeiter

Wie ich bereits schrieb, hat das Gespräch mit Vanessa Boysen für mich einige Fragen aufgeworfen. Es ging unter anderem um meine „Great Expectations“ an zukünftige Arbeitgeber. Klare Antwort: kollaboration über das eigene Unternehmen hinaus. Frage: wie?

Momentan kommt eine Generation auf dem Arbeitsmarkt die dank neuer Informationstechnologien (Skype, Mobiltelefon, Facebook und Twitter) ständig mit ihrem Netzwerk in Kontakt steht und auch Probleme mit der Hilfe von anderen löst. Das war schon in der Oberstufe und im Studium oft der effektivste Weg, aber im Berufsleben gelten andere Regeln. Auf Seite des Arbeitgebers werden nicht selten Werkzeuge wie Facebook oder Skype verboten und man muss eine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben. Aber nicht nur der Fragende sitzt hinter den Unternehmenswänden versteckt, auch der Wissende hat häufig seine Arbeitszeit schon an jemand anderen verkauft.

Geheime externe Mitarbeiter können durch ihr Detailwissen oft Problemstellungen die Tage benötigen würden in Minuten lösen. Sie sind keine Supermenschen, aber in jedem Netzwerk gibt es für verschiedene Themen echte Experten.

Aber wie reagieren Unternehmen auf diese neue Arbeitsweise?

Neben den oben beschriebenen Firewallfactorys, habe ich auch ein paar andere Beispiele erlebt. Hier werden zu beginn des Projekts die Mitarbeiter gefragt, ob sie bereits eine Expertin auf dem Gebiet kennen und es wird versucht das Team sinnvoll zu ergänzen. Den Mitarbeitern ist es möglich Social Media zu nutzen, Skype wird teilweise sogar für die interne Kommunikation und das Dateimanagement genutzt. Aber bei der Verschwiegenheitserklärung gibt es selbst bei diesen Firmen noch keine klare Guideline. Teilweise sind die Informationen, die man Preis geben muss um sich helfen zu lassen, ein möglicher Kündigungsgrund. Selbst wenn der Vorgesetzte mündlich eine Freigabe gibt, ist das nicht vertraglich vorgesehen.

Wie wirkt sich das ökonomisch aus?

Durch diese Vernetzung ist es Wissens-Unternehmen viel schneller möglich neue Entwicklungen zu implementieren. Man muss nicht mehr alles selber herausfinden. Auf der anderen Seite ist es aber auch schwieriger Geheimwissen zu beschützen. Reproduzierbare Ideen leiden deshalb unter einem sehr schnellen Wertverlust, während individuelle Lösungen auf eine viel breitere Informationsbasis aufbauen können. Nach der Massenproduktion kommt jetzt wieder eine Zeit des Unikats.

Wie werden diese externen Mitarbeiter bezahlt?

Nach meiner Erfahrung garnicht. Ok, das stimmt auch nicht, ich wurde schon von meinen Freunden als Dankeschön zum Essen eingeladen, aber direkt von Unternehmen habe ich noch nie was gehört. Ich glaube, die meisten Wissen nicht, dass ich an ihren Projekten beteiligt war und ihren Hintern gerettet habe.

Wie entwickelt sich das weiter?

Ich glaube, dass die Bereitschaft, sein Wissen zu teilen, mit der Zeit nachlassen wird, wenn man keine geeignete Methode findet diese externen Mitarbeiter zu motivieren. Dabei ist es garnicht so schwer. Man lässt die echten Mitarbeiter die besten 10 geheimen Mitarbeiter wählen und die werden dann beim Betriebsausflug mit eingeladen oder man gibt den eigenen Mitarbeitern Flattr-Guthaben, dass sie auf ihre Helfer verteilen können.

So oder so, müssen Unternehmen sich was einfallen lassen um ihre geheimen Schatzkammer nicht zu verlieren.

Und was ist Flattr?

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