ADC: Nach dem Gipfel folgt der Abstieg

Da kann sich keiner rausreden, am Freitag haben von den erwarteten 10.000 Besuchern nur 11 Leute getwittert. Erst als am Samstag Sascha Lobo die versammelte Werbewelt deshalb beschimpfte, kam so langsam leben bei Twitter auf.

Ich will ja nicht sagen, dass jeder der nicht bei Twitter ist, hinterm Mond lebt. Aber wer seinen Kunden Strategien für Social Media verkauft, der sollte zumindest selber aktiv dabei sein. Diese Entfernung von der Realität (statt selber ein Medium zu nutzen, verlässt man sich auf externe Quellen und Case Studies), spürt man aber nicht nur in der digitalen Metaebene, sondern auch direkt beim Event. Ich hatte ein kostenloses Studententicket ergattert und als ich ankam, bekam ich nur ein Gummi Bändchen (Den ADC Jutebeutel gabs wohl nur für zahlende Gäste) und nichtmal ein Programmheft. (Von Barcamps bin ich mehr Freundlichkeit gewohnt) Es wurde mir dadurch sofort klargemacht, dass ich ein Besucher zweiter Klasse bin. Es gab auch keine Namenschilder, die eine Konversation in Gang setzen könnten. Die Tickets wurden nur verschenkt, damit es nicht so leer bleibt. Auch die Vorträge waren durchaus weltfremd geplant. Die Stadtgespräche waren in drei Themenbereiche unterteilt, die an drei unterschiedlichen Orten in Frankfurt stattfanden. Leider waren die Räume so weit auseinander gelegen, dass man nicht einfach zwischen den Orten wechseln konnte. Anscheinend war es für den ADC nicht vorstellbar, dass man verschiedene Interessen haben könnte.

Auch die Ausstellung hat mich nicht so vom Hocker gehauen. Oft war einfach nur fremdschämen angesagt. Viele von den Ideen hatte ich im Internet schon besser gesehen. 95% waren beliebig und der Rest zum größten Teil spektakuläre visuelle Masturbation (Die Anzeigen dienten keinem Kommunikationsziel sondern einfach nur der Selbstbefriedigung). Den Gipfel der Kreativität hatte ich mir anders vorgestellt. Aber hätte ich mehr erwarten können?

Wie funktioniert der ADC?

Dem ADC ist es zusammen mit den Magazinen Horizont und Werben & Verkaufen gelungen eine wichtige Rolle in der Wahrnehmung von Managern zu spielen. Da es früher nicht möglich war den Erfolg von Kommunikation zu messen, setzten viele Unternehmen, bei der Auswahl ihrer Dienstleister, auf die Kreativ-Rankings. Ein goldener Nagel kann also mehrere hundert Millionen bei den Budgets wert sein. Und wo soviel Geld im Spiel ist, ist es auch wichtig, dass die Show weiter geht. Ein ADC Gipfel ohne Preise würde alle Beteiligten in ein Krise stürzen. Also macht man weiter.

Dass die öffentliche Wahrnehmung für den ADC keine Rolle spielt, zeigen die zwei Auszeichnungen die Jung von Matt für den Energieriesen bekommen hat:

Wer jetzt ins Grübeln kommt, kann sich bei der ADC Hilfe e.V.v. melden:

Warum ich das hier schreibe?

Als eine Art Mission-Statement: Visuelle Masturbation wirds bei uns nicht geben. Es geht um Kommunikation auf Augenhöhe und ein Leben neben dem Büro. Und falls jemand Bock hat von ADC runter zu kommen und seinen Job kündigt, kann es sich gerne mit uns vernetzen.

Was meint ihr, ist der ADC noch zu retten?

Update: Hier ist der Beweis für meine These

(danke an Marc)

1 Antwort

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] so schlau den ADC und gleichzeitig alle Anhänger zu dissen. Ich konnte es mir trotzdem nicht verkneifen. Wenn ich einen Beitrag schreibe, bin ich mir darüber bewusst […]

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